Personal Multimedia Box

Erfahrungen beim Aufbau eines HTPC mit Linux, einer DVB-S Karte und einem VIA mini-ITX Board

1. Komponenten-Auswahl, Bestellung, Zusammenbau
2. Installation des Betriebsystems und M-Player
3. Die Fernbedienung
4. Installation der DVB-Karte
5. Gehäuse Modding
6. Montage des IR-Empfängers (Update am 10.8.03)
7. Erfahrungen mit dem Betrieb der Mediabox
8. Installation von nvram-wakeup (Update am 17.8.03)
9. Statistische Daten (Update am 17.10.03)
10. Betrieb mit RAM-Disk (Update am 31.10.03)
11. Erste Erfahrungen mit Kernel 2.6-test11 (Update am 08.12.03)

Nachdem ich einige Zeit die Dreambox als Settop-Box in Erwägung gezogen hatte, aber die Netzteil-Probleme der Dreambox keinen guten Eindruck machten ließ ich diese Idee wieder fallen. Parallel dazu beobachtete ich den Markt mit VIA C3 CPUs und entdeckte irgendwann die Mini-IXT Boards. So entschloß ich mich den Selbstbau einer Setop-Box zu wagen. Als Betriebssystem sollte Linux verwendet werden.

Die Box sollte folgendes können:

Video Features: Abspielen aller üblichen Video-Formate (DivX 3,4,5, WMV, VCD, SVCD, MPEG1/2) über den Fernseher, Ausgabe des Audio-Signales als Stereo-Signal oder AC3

Audio Features: Abspielen üblicher Audio-Formate (WAV, MP3, CDDA)

DVB Features: Empfang/Aufzeichnung, TimeShift-Recording, Timer-Recording, Wiedergabe des Bildes über den Fernseher, Umwandlung des MPEG2-Transport-Stream in einen MPEG2-Storage-Stream um Aufzeichnungen auf normalen PCs abspielen zu können.

Bedienung: per IR-Fernbedienung


1. Schritt - Komponenten Auswahl, Bestellung, Zusammenbau

Nach Studium einiger Artikel, Foren etc. entschied ich mich für ein VIA-EPIA-M 10000 Board mit 1Ghz Nehemia CPU (VIA EPIA MB). Als Gehäuse erschien mir das der CF-7989 Cube von Chyang Fun passend, da er mit einer Höhe von 17cm gerade in mein Unterstellschrank des Fernsehers passt und optisch einen guten Eindruck macht. Da ich die MM-Box in meinem Wohnzimmer einsetzen will, spielt die Geräuschkulisse des Gerätes doch eine bedeutende Rolle. Deshalb wollte ich ein Gehäuse mit einem leisen Netzteil. In einem c't Test wurde das CF-7989 ein relativ lauten 40mm Netzteil-Lüfter beschrieben. Im Internet fand sich eine Quelle, die das gleiche Gehäuse mit einem relativ leisen 60mm Lüfter beschrieb. Deshalb fragte ich bei meinem Händler vorab nach der größe des Lüfters in diesem Gehäuse. Ich erhielt die Auskunft „60mm Lüfter“ und daraufhin bestellt ich das Gehäuse. Als Arbeitsspeicher kam ein 256 MB DDRAM PC333 Speicherchip von Kingston zum Einsatz. Als Festplatte eine Maxtor Diamondmax Plus 8 (nur ca. 12mm Bauhöhe). Als optisches Laufwerk eine LiteOn DVD-Laufwerk. Als die Komponenten eintrafen machte ich mich ans Auspacken und Zusammenbauen. Hier ein paar Fotos:

Gehäuse mit Zubehör:




Board mit Zubehör:




Beim Öffnen des Gehäuses wurde ich dann bitter enttäuscht. Das Gehäuse hatte ZWEI Lüfter. Einen 60mm Lüfter an der Rückwand, einen 40mm im Netzteil, das sich im vorderen Teil des Gehäuses befindet. Leider handelte es sich dabei um eine ziemliche Lärmquelle. Außerdem ist der Luftauslaß des internen Netzteils auch noch durch die Kabel für das USB/IEEE1394 Frontpanel teilweise verdeckt. Es erschien mir auch nicht gerade durchdacht, daß das Netzteil seine warme Luft ins Innere des Gehäuses abgibt. Insgesamt hinterließ die Konstruktion mit dem Netzteil kein gutes Gefühl Doch dazu später mehr.

Gehäuse von oben - links der 60mm Gehäuse-Lüfter




Gehäuse von der Seite. Deutlich zu sehen, wie der Kabelbaum des Frontpanel den Luftauslaß des Netzteils teilweise verdeckt.




Gehäuse mit eingebautem Board:





2. Schritt - Installation des Betriebsystems und M-Player

Ich begann das System mit RAM zu bestücken und die Laufwerke anzuschliessen. Erster Einschalt-Test verlief erfolgreich und ich begann mit der Installation des Betriebssystems (Suse 8.1). Hier gab es gleich den ersten Rückschlag. Die DVD blieb beim booten hängen. Zuerst dachte ich an ein Problem beim Booten von DVD. Als auch die Boot-Disketten das gleiche Phänomen aufwiesen, kam die Vermutung auf, daß der Suse-Kernel CPU Befehle verwendete, die der VIA Prozessor nicht beherrschte. Recherchen im Internet bestätigten dies. Also suchte ich meine Suse 7.3 hervor und damit ging es dann auf Anhieb. Ich installierte nur ein minimales System (ohne X) Allerdings hatte der Kernel der Suse 7.3 noch keinen Support für den Nehemia Core (bis dato unterstützt Suse VIA CPUs gar nicht, nur mit einem 386er oder Pentium I Kernel klappt es). Ab Kernel Version 2.4.21 wird der Nehemiah Core unterstützt. Also holte ich mir einen passenden Kernel von „www.kernel.org“. Einige Zeit später bootete der neue Kernel und das erste Problem war umschifft. Als nächstes optimierte ich den neuen Kernel auf die Hardware des EPIA Boards und entfernte allen unnötigen Ballast.

Der nächste Schritt war MPLAYER (www.mplayerhq.hu) zu installieren. Das Entpacken und Compilieren des Archivs war kein Problem. Der erste Versuch ein Video abzuspielen erforderte, sich mit den vielfältigen Möglichkeiten der Video-Devices zu befassen. Da ich kein X verwenden wollte, blieben nur VESA bzw. Framebuffer übrig. Da ich das bisher beim Kompilieren des Kernels nicht berücksichtigt hatte, war hier wieder ein neuer Kernel fällig. Ein paar Minuten später flimmerte mir der erste DivX Film entgegen. (big smile) Auch (stereo) Sound funktionierte auf Anhieb (Soundtreiber im Kernel einkompiliert). Als Nächstes testete ich eine DVD (Herr der Ringe) und auch dies klappte ohne Probleme. Schließlich testete ich noch weitere Videos und auch MP3s mir MPLAYER und war erst mal zufrieden. Allerdings musste ich bald feststellen, daß Mplayer die Videos immer in der Original-Grösse abspielte. Für ein bildschirmfüllendes Bild muß das Bild skaliert werden. Für manche Grafikchips gibt es hierzu Hardware-Funktionen. Der Onboard-Grafikchip des EPIA-Boards hätte solche Funktionen, allerdings gibt es (noch) keinen Framebuffer-Teiber der diese Funktionen nutzen würde. Evtl. würden die X-Treiber solche Funktionen nutzen, aber ich wollte ja kein X einsetzen. (Nur am Rande: ich hab versucht X zu installieren, allerdings passen die VIA Linux-Treiber nicht zu meinem Kernel und deshalb kann ich sie nicht nutzen) Schließlich hab ich den Software-Scaler von Mplayer entdeckt und damit war ich erst mal zufrieden, auch wenn die Qualität besser sein könnte.


3. Schritt - die Fernbedienung

Als Lösung für die Fernbedienung kamen für mich potentiell drei Lösungen in Betracht:

1.) Selbstbau der Lösung wie Sie von Klaus Schmidinger (http://www.cadsoft.de/vdr/remote.htm)
2.) Ein Bausatz von IrTrans (http://www.irtrans.de/)
3.) Ein Fertiggerät von Ir2PC (http://www.ir2pc.com/)

Selbstbau war bei meiner aktuellen Zeitnot nicht möglich. Der Bausatz von IrTrans etwas teuer und für meine Zwecke überdimensioniert, also entschied ich mich für die Lösung #3. Das Fertiggerät von Ir2PC wird sogar in einer speziellen Variante für VIA EPIA Boards gefertigt, da anscheinend die Spannungen am seriellen Port etwas ausgefallen sind. Das Kompilieren der Libirman-Module und das Einbinden in LIRC war auch problemlos. Ich fand sogar eine Configurations-Datei für meine Fernbedienung (Grundig Tele Pilot 64D). Allerdings war diese Datei mit WinLirc erstellt worden und lies sich so nicht verwenden. Aber ca. 30 Minuten später war auch hier eine passende Konfigurations-Datei erstellt und ich konnte Mplayer mit der Fernbedienung steuern.


4. Schritt - Installation der DVB-Karte

Ich hatte mich ein bißchen über DVB und Linux informiert und wusste daß es zwei Kategorien von Karten gibt: Solche mit integriertem MPEG2 Decoder und welche ohne (low budget). Ich las, daß beide Karte-Typen unter Linux unterstützt werden. Nachdem der DVD-MPEG2 Storage-Stream ausreichend schnell dekodiert werden konnte, sollte der MPEG2 Transport-Stream auch kein Problem sein. Also bestellte ich mir eine Hauppauge Win-TV Nova-S. Als diese eintraf, baute ich sie ein und kompilierte die entsprechenden Pakete von „www.linuxtv.org“. Ich konnte zwar erkennen, daß die Karte arbeitete, ich konnte mir auch den Transport-Stream als Char-Dump auf die Console ausgeben lassen – aber ich bekam kein Bild. Das VDR Paket meldete immer „unable to open primary device“. Nach einiger Suche stellte ich fest, daß der Support von low-budget DVB-Karten sich auf das Aufzeichnen von Video-Streams beschränkt. Einen Software-MPEG2 Dekoder gibt es bisher nicht. Damit war die Karte für meine Zwecke unbrauchbar. Also musste ein Karte mit Hardware-MPEG2 Decoder her: die Hauppauge WinTV Nexus-s. Die Karte wurde auch erkannt aber ich erhielt beim Laden der Treiber in /var/log/messages folgende Fehlermeldung „debi test: bootarm() failed 0x80000000 != 0x10325476. Es dauerte einige Zeit bis mir auf der Mailing-Liste jemand den Tip gab, daß die Karte entweder defekt sein müsste oder die Kommunikation über den PCI-Bus nicht funktioniert. Ich testete die Karte in einem anderen Rechner sowohl unter Linux als auch WinXP – dort war alles in Ordnung. Nach dem erneuten Einbau im EPIA-System funktionierte die Karte dort ebenfalls. Vermutlich war beim ersten Einbau die Riser-Card nicht korrekt eingesteckt, so daß wirklich die Kommunikation über den PCI-Bus gestört war. Die DVB-Funktionen sind damit rudimentär vorhanden, müssen aber noch optimiert werden.


5. Schritt - Gehäuse Modding

Nach ersten Testläufen stellte sich heraus, daß die Netzteil -Gehäuse-Kombination sehr unvorteilhaft war. Erstens ist der Netzteillüfter relativ laut und zweitens heizt sich dadurch das Innere des Gehäuses durch die Netzteil-Abluft stark auf. So suchte ich nach einer anderen Lösung. Ich baute das Netzteil aus und suchte nach einer anderen Platzierung im Gehäuse. Prädestiniert dafür schien der Platz hinter dem DVD-Laufwerk. Allerdings waren der interne 60mm Lüfter und die Kaltgeräte-Buchse im Weg. Irgendwann hatte ich die zündende Idee. Wenn man den 60mm Lüfter außen am Gehäuse befestigte und die Netzteil-Platine in ein anderes Gehäuse einbauen würde, sollte es klappen. Ich öffnete das Netzteil-Gehäuse (Garantieverlust) und vermaß die Platine. Dann baute ich den Lüfter auf die Aussenseite und überprüfte den verfügbaren Platz. Ein leichte Kolisionsgefahr mit der Kaltgeräte-Buchse war vorhanden. Der Gleichrichter ragte etwas weit heraus und berührte die Buchse. Aber es sollte kein Problem sein den Gleichrichter etwas „tiefer zu legen“. Also ließ ich mir von einem Bekannten ein Alu-Gehäuse mit entsprechenden Maßen anfertigen und verlagerte das Netzteil hinter das DVD-Laufwerk. Hier hatte ich grosses Glück, daß ich ein LiteOn-Laufwerk gewählt hatte. Diese Laufwerk ist sehr kurz. Mit einem längeren Laufwerk wäre dies nicht möglich gewesen.

Der Abstand zwischen DVD-Laufwerk und Netzteil beträgt ca. 1cm. Ein normaler Stromstecker passt hier nicht mehr – auch die Plastik-Zugentlastung des IDE-Kabels musste etwas abgefeilt werden. Erste Tests nach dem Umbau zeigten aber, daß die im Netzteil verbauten ALU-Kühlkörper sehr heiss wurden. Anscheinend müssen diese Kühlbleche direkt im Luftstrom stehen um ausreichende Kühlung zu gewährleisten. Die senkrecht stehenden Platine verhinderte dies hier. So suchte ich nach Möglichkeiten die Kühlung zu verbessern (anderer Luftstrom, drehen der Platine etc.) Irgendwann hatte ich wieder eine Idee. Es war ja ca. 1,5 cm Platz bis zum Deckel. Warum nicht diesen Platz für zusätzliche Kühlkörper nutzen. Ich hatte noch einen alten Slot-1 Kühler herumliegen. Diesen zersägte ich in passende Blöcke und klebte diese mit Wärmeleitkleber auf die vorhandenen Bleche. Damit war die Oberfläche stark vergrössert und diese war im Luftstrom des dahinterliegenden Kühlers. Obwohl ich dies als Punkt 5 beschreibe, war es zeitlich vor dem Zeitpunkt als ich die WinTV Nexus-s einbaute. Mit dem Netzteil am ursprünglichen Platz, hätte ich die DVB-Karte gar nicht einbauen können, da sie zu lang gewesen wäre (die Nova ging). So wurden zwei Fliegen mit einer Klappe erschlagen. Die Festplatte baute ich in die Halterung für das Floppy Laufwerk ein und nicht mehr in den dafür vorgesehenen Käfig, da mir die Wärmeentwicklung unterhalb des Netzteils bedenklich erschien.

Netzteil mit aufgeklebten Kühlkörpern:




Netzteil Ansicht der "Problemstelle" - Im Hintergrund die senkrechte Platine, die teilweise den Luftstrom behindert:




Gehäuse von oben mit DVD-Laufwerk:




Gehäuse von der Seite mit eingebauter Nexus-s. Man kann deutlich sehen, daß die Nexus-s relativ lang ist und über das Board hinausragt. Ca. 1.cm hinter dem Board war das Netzteil montiert.




Der hier vorgestellt Umbau des Netzteils führt zum Garantie-Verlust. Evtl. Nachbauer tun dies auf eigene Gefahr. Es existieren auch noch keine Langzeit-Erfahrungen mit dem Umbau. Arbeiten sollten nie unter Spannung durchgeführt werden. Teile des Netzteils arbeiten mit mehreren hundert Volt. Beim Umbau des Netzteil ist auf entsprechende Isolation zum Gehäuse zu achten. Auch die Kabel sollten befestigt werden um ein Durchscheuern an Metallkanten zu verhindern.


6. Schritt - Montage des IR-Empfängers

Der IR-Empfänger sollte an der Vorderseite möglichst gut integriert werden. Hier standen auch mehrere Möglichkeiten zur Auswahl:

Die ersten beiden Möglichkeiten kamen für mich nicht in Frage. Bei der Nutzung der vorhandenen Ausbrüche, tendierte ich zuerst dazu ein Lufteinlassloch zu nutzen. Allerdings verdeckt es doch einen erheblichen Teil des IR-Empfängers und die davorliegende Acryl-Platte könnte unerwünschte Brechungen des IR-Signals verursachen. Da ich auf absehbare Zeit keine Nutzung des Firewire-Anschlusses plane und die Abmessungen des IR-Empfängers sich gut mit den Abmessungen des Ausbruchs deckten, strebt ich diese meine Lösung an. Ich lötete also den eigentlichen IR-Empfänger aus der Platine und lötete ein 3 adriges Flachband-Kabel dazwischen. Die Anschlüsse am IR-Empfänger isolierte ich mit Schrumpfschlauch. Da ich das Frontpanel-Modul nicht ganz weglassen wollte und auch den Firewire-Anschluß nicht zerstören wollte, musste noch ein Weg für das Kabel zum IR-Empfänger gefunden werden. Das Front-Panel-Modul ist mit der Vorderseite des Gehäuses an zwei Stellen verschraubt. Ich habe am unteren Verschraubungspunkt an der Innenseite einfach zwei Beilagscheiben dazwischen gelegt. Damit liegt der Firewire-Anschluß ca. 1 mm weiter hinten und es entsteht ein Spalt durch den sich das Flachbandkabel zum IR-Empfänger führen lässt. Das Ganze sieht dann so aus:




Im Gehäuse-Inneren habe ich den Jumper-Block für die zweite serielle Schnittstelle genutzt und aus einer Slot-Blende für alte AT-Mainboards mit seriellem Anschluß das Kabel mit 9 pol. Buchse demontiert. Damit lässt sich die IR2PC-Platine ohne weitere Lötarbeiten anstecken. Zur Zeit hängt die Platine noch freischwenbend an diversen Kabeln, aber dies soll auch noch besser gelöst werden.

7. Erfahrungen mit dem Betrieb der Mediabox

Die nächsten geplanten Schritte:

8. Installation von nvram-wakeup

Die Installation von nvram-wakeup war erst mal problemlos. Allerdings klappte der erste Funktionstest nicht. Beim Versuch einen Wakeup-Zeit mittels nvram-wakeup zu setzen kam immer eine Fehlermeldung (63 is an invalid second value). Nach Rücksprache mit dem Entwickler von nvram-wakeup erhielt ich diesen Tip: Bei EPIA-M Boards muss erst per BIOS einmal eine Wakeup-Time eingetragen werden, bevor es mittels nvram-wakeup geht. Damit produzierte nvram-wakeup keine Fehlermeldung mehr.

Jetzt musste ich auch ein bisher ignoriertes Problem des EPG angehen: Die Zeiten für alle Sendungen im EPG waren um 6 Stunden verschoben. Bei der Suche in dem Mailing-List Archiv von "linuxtv.org" stieß ich auf den Tipp die BIOS Uhrzeit auf UTC zu stellen und die korrekte Zeitzone einzustellen. Damit war die EPG Zeiten endlich korrekt.

Leider müssten die EPIA Boards nach dem Setzen einer Wakeup-Time eine BIOS Initialisierung durchlaufen, damit die Wakeup-Time wirksam wird. Die Lösung von Sergei Haller wäre ein angepasster Linux-Kernel gewesen. Das erschien mir aber etwas Overkill. Also besorgte ich mir die APM Spezifikation und schrieb mir ein kleines Programm, das einfach den Rechner auschaltet und als Image in LILO einbunden werden kann. Wenn sich das Programm bewährt, werde ich es veröffentlichen.

Nun hier ist es: ein kleines COM-Programm namens PWROFF.COM. Das COM Programm lässt sich leider nicht direkt als Boot-Image in Lilo eintragen - es ist zu klein - es muß mindestens 1024 Byte haben. Hier noch eine angepasste Version pwroff.bin die sich problemlos in Lilo als zu bootendes Image eintragen lässt. Jetzt ist das timergesteuerte Aufzeichnen von Sendungen über den EPG ein Kinderspiel. Einfach Sendung markieren [Record] drücken und Uhrzeit und Programm stehen in der Timer-Liste. Beim Abschalten des Rechners wird bei Bedarf die passende Wakeup-Time gesetzt und der Rechner schaltet sich ab und korrekt zur gewünschten Aufnahmezeit ein (ca. 5 Minuten früher, das System muss ja noch booten und evtl. einen Filesystem-Check durchführen).

9. Statistische Daten

Inzwischen wollten einige Leute verschieden Infomationen wissen:

10. Betrieb mit RAM-Disk

Da das Gerät überwiegend zum Fernsehempfang gedacht ist und solange keine Sendung aufgezeichnet oder abgespielt wird, benötigt man eigentlich keine laufende Harddisk. Das Abschalten der Harddisk hat mehrere positive Effekte: der Geräusch-Pegel wird reduziert und der Stromverbrauch sinkt (was auch weniger Kühlaufwand bedeutet) und die Boot-Geschwindigkeit steigt. Also machte ich mich an die Arbeit eine Linux-Umgebung aufzubauen, die vollständig aus der RAM-Disk lauffähig ist und möglichst wenig Speicherplatz belegt. Zuerst dachte ich ich würde mit 12MB auskommen, nun bin ich bei 16MB. Allerdings habe ich keine speziell auf wenig Speicherplatz optimierten Bibliotheken (µCLibc) oder Tools (BusyBox) im Einsatz, sondern Standard-Tools aus einer Suse 7.3 Distribution.

Bis man allerdings weiß, was benötigt wird und was man weglassen kann vergeht einige Zeit und es bedarf einiger Boot-Vorgänge. Im Prinzip läuft es so: Man erstellt sich eine leere Datei der bewünschten Größe: (z.B. 16MB) mittels dem Commando dd if=/dev/zero of=ramdisk bs=1k count=16384. Dann formatiert man diese Datei als minix oder ext2 Filesystem und mountet sie über das loopback device mount -t ext2 -o loop ramdisk /mnt. Jetzt kann man sich unter /mnt die nötige Dateistruktur für ein Mini-Linux anlegen.

Erste Tests kann man probieren indem man mittels chroot /mnt versucht diese Umgebung als neue Root zu setzen. Sollte hier schon mal alles funktionieren kann man sich daran machen, in diese Umgebung zu booten. Dazu wird das Filesystem wieder unmounted, mittels gzip komprimiert und zusammen mit einem passenden Kernel ein LILO Eintrag erstellt. Hierbei ist darauf zu achten, daß dem zugehörigen Kernel die Datei mit dem komprimierten RAM-Disk Inhalt konfiguriert wird. Ich werde demnächst eine Datei-Liste bzw. eine entsprechendes Archiv mit passendem Kernel und RAM-Disk zum Download bereitstellen.

Mit der RAM-Disk ist VDR in ca. 35-40 Sekunden einsatzbereit (also ca. 20s schneller als vorher), was zum Teil sicher an den stark reduzierten Run-Level-Scripten liegt. Damit VDR trotzdem noch Sendungen aufzeichnen kann, wird die Harddisk als /video Verzeichnis gemounted. Allerdings speichert VDR immer wieder EPG-Daten dort ab. Also musste ich die EPG-Daten vor dem Start von VDR mit in die RAM-Disk kopieren und VDR entsprechend den Pfad einstellen. Beim Shutdown werden die EPG-Daten wieder auf die Harddisk kopiert. Dann steht einem Abschalten der Harddisk nichts mehr im Wege. Der Strom-Verbrauch sinkt dadurch um ca. 5-6W (etwa 10% bei meinem System) und bewegt sich bei Fernsehempfang bei ca. 43-44 W.

Zwei Nachteile sollen auch nicht verschwiegen werden: Wird eine Aktion ausgelöst, die einen Plattenzugriff erfordert, dauert es je nach Platte einige Sekunden (ca. 5-15) bis sie Ihre Solldrehzahl erreicht hat und einsatzbereit ist. Außerdem sollen normale Desktop-Platte bei vielen Starts und Stops schneller Ihr Lebensende erreichen. Notebook-Platten wären hier wohl besser aber auch entsprechend teuer. Für das Geld was eine entsprechende Notebook-Platte kostet, bekommt man wohl 2-3 Desktop-Festplatten. Aber das muß jeder für sich selbst entscheiden.

11. Erste Erfahrungen mit Kernel 2.6-test11

Habe soeben erste Versuche mit dem Kernel 2.6 unternommen. Diese Version enthält schon DVB-Treiber und liefert den lange versprochenen ACPI-Support (was für einen HTPC sehr genutzt werden kann - z.B. Suspend to RAM - S3). Wenn man, wie ich, eine Suse 7.3 Distribution einsetzt, sind einige Sachen zu beachten.

Mit Spannung hab ich den ACPI Sleep-Mode 3 ausprobiert (Suspend to RAM). Dabei wird bis auf den RAM-Baustein alles abgeschaltet (Stromverbrauch liegt dann bei meinem System bei ca. 4W - kein messbarer Unterschied zu S5). Erreicht wird das analog zu oben echo 3 > /proc/acpi/sleep. Der Rechner schaltet sich ab, allerdings blinkt jetzt die Front-LED. Beim erneuten Druck auf die Einschalt-Taste dauert es ca. 4 Sekunden und der Consolen-Prompt ist wieder da. Eigentlich super! Leider gibt es anscheinend noch Probleme mit der Initialisierung der DVB-Karte nach dem Aufwachen aus dem Schlaf-Zustand. Es gibt kein Bild zu sehen. Hier muß wohl noch auf Treiber-Seite was gemacht werden. Wenn dies funktionieren würde, wäre der Unterschied zu einem käuflichen Receiver kaum noch merklich.

To be continued....


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Erstellt von A.Rosenberg am 1.8.2003 - Letzter Update am 08.12.2003

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